Sind wir alle ein wenig schizophren?
Über Schizophrenie und uns im Alltag
Schizophrenie und unsere Gedankenwelt
Ja, in gewisser Weise sind wir das alle – außer Sie sind erleuchtet, was auf die meisten von uns wohl nicht zutrifft. Die meisten von uns glauben fest an die Gedanken in unseren Köpfen und vertrauen ihnen uneingeschränkt. Und genau das tun auch Menschen mit Schizophrenie – sie vertrauen ihren Gedanken ebenso bedingungslos. Ich möchte hier niemanden beleidigen oder verletzen. Schizophrenie ist eine ernsthafte psychische Erkrankung. Sie zeigt sich in vielgestaltigen Symptomen und gehört zu den sogenannten „endogenen Psychosen“. Psychosen sind Krankheitsbilder, die oft mit Realitätsverlust, Wahnvorstellungen, Störungen des Denkens, der Sprache und der Gefühlswelt einhergehen.
Unsere Gedanken über uns selbst und andere
Doch wenn Sie einmal in sich hineinhorchen und sich fragen: Was denke ich eigentlich über mich selbst und andere? Was fühle ich mir selbst und anderen gegenüber? Die Antwort könnte lauten: Ich bin nicht in Ordnung, ich bin der Größte, der ist blöd, die hat mich komisch angeschaut, der denkt sicher etwas über mich, und so weiter.
Warum wir oft etwas anderes wollen
In gewisser Weise könnten wir das sagen, denn oft wollen wir etwas anderes, als gerade da ist – oder nicht vorhanden ist. Wir stellen uns Dinge vor, die nicht der Realität entsprechen, und wünschen uns genau das – oder wollen es unbedingt vermeiden. Das führt manchmal dazu, dass wir uns mit unserem Partner oder Familienmitgliedern über etwas streiten, das gar nicht real ist. Der eine möchte etwas, der andere kann es nicht erfüllen oder versteht nicht, worum es wirklich geht, weil auch er in seiner eigenen Gedankenwelt gefangen ist. Der eine denkt vielleicht, der andere will es ihm nicht geben, und geht dabei selbstverständlich von seiner eigenen Perspektive aus.
Erwartungen und Wahnvorstellungen
Ist es nicht ein wenig wie ein Wahn, wenn wir von anderen etwas verlangen oder erwarten, was wir als vollkommen normal ansehen? Denn schließlich findet alles, was wir denken und fühlen, in unseren Köpfen statt, nicht wahr?
Ein Beispiel aus dem Alltag
Nehmen wir etwa eine junge Frau, die an ihrem Freund nörgelt, weil er sehr viel arbeitet und sie oft alleine lässt. Sie fühlt sich gestresst. Aber was ist dieser Stress eigentlich? Stresst sie der Zustand ihres Lebens oder der Beziehung – oder ist es ihre eigene Vorstellung und Erwartung, dass es anders sein sollte? Meiner Erfahrung nach stressen uns nicht die Dinge selbst, sondern unsere Beziehung zu ihnen. Wir erzählen uns ständig Geschichten im Kopf und bestehen darauf, dass genau das und genauso passiert.
Ist das nicht ein wenig wie Schizophrenie?
Es ist eine Einladung, uns bewusst zu machen, wie sehr wir uns oft in unseren Gedanken verlieren und wie sehr wir ihnen vertrauen, ohne sie zu hinterfragen. Vielleicht können wir dadurch ein wenig mehr Verständnis für uns selbst und andere entwickeln – und erkennen, dass wir alle manchmal in gewisser Hinsicht in unserer eigenen Welt leben.
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