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Olga Hildebrandt

Wenn Vertrauen verloren geht: Wie Paare nach einer Verletzung wieder zueinander finden

Untreue, Lügen und andere Verletzungen können eine Beziehung tief erschüttern

Wenn Vertrauen verletzt wurde, verändert sich oft die ganze Beziehung. Was vorher selbstverständlich war, wird plötzlich hinterfragt. Ein Blick aufs Handy, eine verspätete Nachricht oder eine kleine Unstimmigkeit kann Unsicherheit auslösen.
Verletzungen können viele Formen haben. Untreue gehört dazu. Aber auch wiederholte Lügen, Geheimnisse, emotionale Rückzüge oder andere Erfahrungen können dazu führen, dass ein Partner sich nicht mehr sicher fühlt.

Wenn das Vertrauen erschüttert ist

Vielleicht sagt einer:
„Ich weiß einfach nicht mehr, ob ich dir glauben kann.“
Und der andere erlebt:
„Egal, was ich sage oder tue – es reicht nicht.“
Beide leiden.
Derjenige, dessen Vertrauen verletzt wurde, sucht häufig nach Sicherheit. Er möchte Antworten, Erklärungen und Gewissheit. Vielleicht fragt er immer wieder nach oder überprüft Dinge, die früher keine Rolle gespielt haben.
Der andere erlebt diese Fragen möglicherweise als Misstrauen oder Kontrolle. Er fühlt sich unter Druck und möchte irgendwann, dass es endlich wieder gut ist.
Doch für den verletzten Partner ist es noch nicht wieder gut.

Vertrauen lässt sich nicht einfach beschließen

Nach einer Verletzung entsteht häufig der Wunsch, möglichst schnell wieder zum Alltag zurückzukehren. Vielleicht sagt einer: „Wir müssen doch jetzt irgendwann nach vorne schauen.“
Aber Vertrauen lässt sich nicht einfach beschließen.
Wenn eine Verletzung tief gegangen ist, braucht es zunächst Raum dafür, dass das Erlebte verstanden werden kann.
Was ist passiert?
Was hat die Verletzung für den anderen bedeutet?
Was hat sie in ihm ausgelöst?
Und was braucht es jetzt, damit wieder mehr Sicherheit entstehen kann?
Dabei geht es nicht darum, immer wieder in der Vergangenheit zu bleiben. Es geht darum zu verstehen, was durch die Verletzung zwischen Ihnen passiert ist.

Hinter dem Misstrauen liegt oft die Angst, wieder verletzt zu werden

Wer einmal erlebt hat, dass etwas Wichtiges verschwiegen oder gebrochen wurde, kann danach sehr wachsam werden.
Ein kleiner Anlass kann dann große Gefühle auslösen.
Vielleicht kommt eine Nachricht nicht sofort. Vielleicht wirkt der Partner plötzlich distanziert. Vielleicht stimmt eine Kleinigkeit nicht mit dem überein, was vorher gesagt wurde.
Und sofort ist die alte Angst wieder da:
„Kann ich dir wirklich vertrauen?“
Die Angst ist real, auch wenn daraus nicht automatisch folgt, dass die aktuelle Befürchtung berechtigt ist.

Wenn beide in einen neuen Kreislauf geraten

Nach einer Verletzung kann sich zwischen den Partnern ein neuer Kreislauf entwickeln.
Der eine fragt immer wieder nach, weil er Sicherheit braucht.
Der andere fühlt sich kontrolliert und zieht sich zurück.
Der Rückzug verstärkt die Unsicherheit.
Also wird noch mehr gefragt.
Und beide erleben immer stärker genau das, wovor sie eigentlich Angst haben.
Der verletzte Partner bekommt den Eindruck: „Siehst du, ich kann dir nicht vertrauen.“
Der andere denkt vielleicht: „Egal, was ich mache, du wirst mir nie wieder glauben.“
So wird die ursprüngliche Verletzung durch das, was danach zwischen beiden geschieht, immer wieder berührt.

Was braucht es, damit Vertrauen wieder wachsen kann?

Vertrauen entsteht nicht dadurch, dass einer den anderen davon überzeugt, dass jetzt alles wieder gut ist.
Es entsteht durch Erfahrungen.
Durch Offenheit.
Durch Verlässlichkeit.
Durch die Bereitschaft, sich mit der Verletzung des anderen auseinanderzusetzen.
Und auch dadurch, dass der verletzte Partner seine Angst und seine Bedürfnisse zeigen kann, ohne dafür beschämt oder abgewertet zu werden.
In einer Paartherapie können wir gemeinsam anschauen, was zwischen Ihnen passiert: Was ist geschehen? Was hat es ausgelöst? Wie reagieren Sie heute aufeinander? Und was brauchen Sie voneinander, damit wieder mehr Sicherheit entstehen kann?

Beide Seiten brauchen Raum

Nach einer Untreue oder einer anderen schweren Verletzung braucht zunächst häufig die verletzte Person besonders viel Raum.
Gleichzeitig bleibt auch der andere Mensch mit seinen eigenen Gefühlen im Raum: mit Scham, Schuld, Angst, Hilflosigkeit oder der Sorge, die Beziehung endgültig zu verlieren.
Beides darf gesehen werden.
Das bedeutet nicht, die Verletzung kleinzureden oder Verantwortung zu verwischen.
Es bedeutet, die Beziehung als Ganzes anzuschauen.

Vergeben ist nicht dasselbe wie vergessen

Manchmal entsteht die Vorstellung, dass eine Beziehung erst dann wieder funktionieren kann, wenn der verletzte Partner „loslässt“ oder vergibt.
Aber Vertrauen und Vergebung sind keine Schalter, die man einfach umlegen kann.
Vielleicht geht es zunächst um etwas anderes:
wieder verstehen zu können, was passiert ist.
wieder Sicherheit zu erleben.
wieder offen miteinander sprechen zu können.
Und vielleicht irgendwann wieder die Erfahrung zu machen:
„Ich kann mich auf dich verlassen.“

Kann eine Beziehung nach einer Verletzung wieder gut werden?

Das lässt sich nicht pauschal beantworten.
Manche Paare finden nach einer schweren Krise wieder zueinander. Andere erkennen im gemeinsamen Prozess, dass sie ihre Beziehung nicht weiterführen möchten.
Eine Paartherapie muss deshalb nicht von vornherein ein bestimmtes Ergebnis haben.
Es geht zunächst darum, ehrlich hinzuschauen: auf die Verletzung, auf das, was sie ausgelöst hat, auf die Muster, in die beide geraten sind, und auf die Frage, ob und wie wieder eine gemeinsame Basis entstehen kann.
Wenn Vertrauen verletzt wurde, muss nicht sofort klar sein, wie es weitergeht. Manchmal ist der erste Schritt, gemeinsam herauszufinden, was zwischen Ihnen geschehen ist und was es braucht, damit wieder mehr Sicherheit und Verbindung entstehen können.

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