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Olga Hildebrandt

Konflikte: Ruhig bleiben und anders reagieren lernen

Wie wir lernen können, unsere Reaktionen wahrzunehmen, bevor wir handeln

Konflikte bringen uns schnell aus unserer Mitte. Ein Satz, ein Blick oder eine Reaktion des anderen kann etwas in uns auslösen – und plötzlich sind wir wütend, verletzt oder fühlen uns angegriffen.
Oft reagieren wir dann schneller, als wir eigentlich möchten.
Eine Möglichkeit besteht darin, zunächst innezuhalten und wahrzunehmen, was gerade in uns geschieht.

1. Ruhig zuhören und innehalten

Wenn jemand etwas sagt, das uns trifft, müssen wir nicht sofort antworten.
Wir können zunächst zuhören und wahrnehmen: Was geschieht gerade in mir? Welche Gedanken tauchen auf? Was spüre ich im Körper? Welche Gefühle sind da?
Allein diese kleine Pause kann etwas verändern.
Es geht nicht darum, dem anderen in allem zuzustimmen. Es geht darum, nicht automatisch aus der ersten Reaktion heraus zu handeln.

2. Den eigenen Trigger wahrnehmen

Manchmal löst eine bestimmte Aussage oder ein bestimmtes Verhalten des anderen eine ungewöhnlich starke Reaktion aus.
Dann kann es interessant sein, genauer hinzuschauen.
Was genau hat mich gerade so getroffen?
Vielleicht berührt die Situation eine alte Verletzung, eine Angst oder ein Bedürfnis, das gerade besonders empfindlich ist.
Das bedeutet nicht, dass das Verhalten des anderen keine Bedeutung hat. Aber wir können unterscheiden zwischen dem, was tatsächlich gerade geschieht, und dem, was es in uns auslöst.

3. Nicht alles persönlich nehmen

Wenn wir auf die Worte oder Handlungen eines anderen Menschen sofort reagieren, geraten wir leicht in eine Dynamik, die sich immer weiter verstärkt.
Vielleicht wird einer lauter, der andere zieht sich zurück. Der Rückzug wiederum löst beim anderen noch mehr Ärger aus.
Manchmal kann es helfen, einen kleinen inneren Abstand zu schaffen:
„Das ist gerade seine Reaktion. Und hier ist meine Reaktion.“
Beides darf wahrgenommen werden, ohne dass wir sofort darauf reagieren müssen.
Gelassenheit bedeutet dabei nicht Gleichgültigkeit. Wir können einen anderen Menschen ernst nehmen und gleichzeitig bei uns bleiben.

4. Was sich verändern kann, wenn wir nicht sofort reagieren

Wenn wir lernen, zwischen einem Reiz und unserer Reaktion einen kleinen Raum entstehen zu lassen, bekommen wir mehr Wahlmöglichkeiten.
Wir müssen nicht jeden Kampf führen. Wir müssen nicht auf jeden Satz antworten. Und wir müssen nicht jede emotionale Bewegung sofort in Handlung übersetzen.
Vielleicht können wir stattdessen kurz innehalten und uns fragen:
Was geschieht gerade zwischen uns?
Was passiert gerade in mir?
Was brauche ich, bevor ich weiterrede?
Manchmal ist die heilsamste Reaktion nicht die nächste Antwort, sondern ein Moment der Ruhe.
Und manchmal entsteht genau daraus die Möglichkeit, anders miteinander weiterzugehen.

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