Wir wünschen uns Nähe, Verlässlichkeit und Verbundenheit. Und gleichzeitig kann genau daraus etwas entstehen, das eine Beziehung belastet: die Erwartung, dass der andere uns glücklich machen, unsere Bedürfnisse erfüllen oder so bleiben soll, wie wir ihn gerne hätten.
Am Anfang einer Beziehung erleben wir häufig Zuneigung, Freude und das Gefühl, angekommen zu sein. Mit der Zeit entstehen jedoch auch Erwartungen. Wir möchten, dass der andere uns versteht, sich auf eine bestimmte Weise verhält oder uns die Sicherheit gibt, die wir uns wünschen.
Das ist menschlich. Schwierig wird es dort, wo aus einem Wunsch eine Forderung wird.
Wenn aus Nähe Anhaftung wird
Anhaftung bedeutet, dass wir unser eigenes Wohlbefinden zunehmend davon abhängig machen, wie der andere sich verhält.
Dann kann aus „Ich freue mich, dass du da bist“ allmählich ein „Du musst für mich da sein“ werden.
Vielleicht entsteht der Wunsch, den anderen zu verändern. Vielleicht wird kontrolliert, kritisiert oder nach Bestätigung gesucht. Und wenn der andere sich anders verhält als erwartet, entsteht Enttäuschung.
Die Frage ist dann nicht mehr nur: „Was geschieht zwischen uns?“
Sondern: „Warum gibst du mir nicht das, was ich brauche?“
Erwartungen können Nähe erschweren
Je mehr Erwartungen wir an einen Menschen richten, desto stärker nehmen wir wahr, was nicht stimmt.
Der Partner ist dann nicht mehr einfach der Mensch, der gerade vor uns sitzt. Wir sehen ihn durch die Brille unserer Vorstellungen.
– Warum bist du heute so anders?
– Warum bist du nicht mehr so aufmerksam wie früher?
– Warum machst du mich nicht mehr glücklich?
Solche Gedanken können schnell zu Vorwürfen und Konflikten führen.
Dabei geht es oft weniger um das konkrete Verhalten des anderen als um unsere eigene Vorstellung davon, wie eine Beziehung sein sollte.
Liebe bedeutet nicht, keine Bedürfnisse zu haben
Eine Beziehung ohne Bedürfnisse oder Erwartungen gibt es vermutlich nicht. Wir dürfen uns Nähe, Verlässlichkeit, Aufmerksamkeit und Unterstützung wünschen.
Entscheidend ist, wie wir damit umgehen.
Ein Wunsch lässt dem anderen seine Freiheit. Eine Forderung macht den anderen für unser eigenes Wohlbefinden verantwortlich.
Auch in einer engen Beziehung bleiben zwei Menschen zwei eigenständige Menschen. Der andere kann uns nahe sein, ohne uns zu gehören. Er kann uns lieben und trotzdem manchmal Rückzug brauchen, schlechte Laune haben oder unsere Erwartungen nicht erfüllen.
Eine andere Form von Liebe
Vielleicht verändert sich Liebe, wenn wir beginnen, den anderen weniger danach zu beurteilen, was er uns gibt.
Dann wird es möglich, den anderen wieder stärker als eigenständigen Menschen wahrzunehmen – mit seinen eigenen Bedürfnissen, Grenzen, Stimmungen und seiner eigenen Geschichte.
Mitgefühl bedeutet dabei nicht, alles hinzunehmen. Und Akzeptanz bedeutet nicht, auf die eigenen Bedürfnisse zu verzichten.
Es bedeutet vielmehr, beides gleichzeitig sehen zu können: Was geschieht in mir – und was geschieht im anderen?
Was das für eine Beziehung verändern kann
Wenn wir weniger versuchen, den anderen zu kontrollieren oder durch unsere Erwartungen festzulegen, kann wieder mehr Freiheit entstehen.
Vielleicht wird dann auch ein anderer Blick auf Konflikte möglich.
Nicht mehr: „Du bist schuld daran, dass es mir schlecht geht.“
Sondern: „Was geschieht gerade in mir, was geschieht in dir – und was machen wir daraus miteinander?“
Eine solche Haltung kann Nähe nicht garantieren. Aber sie kann einen Raum schaffen, in dem Nähe wieder entstehen kann.
Liebe bedeutet dann nicht, den anderen besitzen oder verändern zu wollen. Sie bedeutet, verbunden zu sein und gleichzeitig die Freiheit des anderen zu achten.
Wenn Sie merken, dass Erwartungen, Enttäuschungen oder wiederkehrende Konflikte Ihre Beziehung belasten, kann eine EFT-basierte Paartherapie dabei unterstützen, die Dynamik zwischen Ihnen genauer zu verstehen.
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